Wappen des Kanton Waadt
Chateau d'Aigle / Aigle - Kanton Waadt (Vaud)
Historie


Die 1179 erstmals erwähnten Freiherren von Aigle verfügten in der Gegend, wo die Passtrassen vom Col du Pillon und Col des Mosses das Rhonetal erreichen, über eine kleine Grundherrschaft, deren Zentrum wohl damals bereits die Burg Aigle war. Von dieser frühen Anlage wären Spuren allerdings nur noch archäologisch nachweisbar.

Noch vor 1200 gerieten die Herren von Aigle in die Abhängigkeit der mächtigen Grafen von Savoyen. Bereits 1232 konnte Graf Thomas von Savoyen die Herrschaft Aigle als Lehen an die Brüder Jakob und Peter von Saillon übertragen und erhielt dafür deren Stammburg im Wallis. Die Familie von Saillon scheint mit den Freiherren von Aigle eng verwandt gewesen zu sein.

In der zweiten Hälfte des 13. Jhdt. blühte Aigle auf und erhielt ein Stadtrecht. Die Burg wurde neu gebaut, mit einem wehrhaften Palas und einer Ringmauer.

Im 14. Jhdt. erbten die Herren von Compey die Lehnsrechte derer von Saillon. Auch sie waren Dienstleute der Grafen von Savoyen und machten Aigle zu ihrem Hauptsitz. Die Burg erhielt nun einen turmbewehrten Bering und um 1450 in der Südecke einen mächtigen Hauptturm, der als spätes Beispiel französischer Donjon-Architektur gelten kann.

Ab der Mitte des 15. Jhdt. versuchte Bern die Kontrolle über die für die Stadt wichtigen Passübergänge ins Rhonetal zu erlangen. Ein erster Versuch, sich Aigle anzueignen, unternahmen die Berner bereits 1464. Der Krieg der Eidgenossen mit dem Burgunderherzog Karl dem Kühnen brachte eine weitere Gelegenheit: Da sich die Savoyer der burgundischen Partei angeschlossen hatten, griff Bern das savoyische Aigle an und verwüstete die Burg. Jean de Compey musste fliehen und wurde bald darauf in Vevey ermordet. Sein Sohn fiel im Kampf für Karl den Kühnen.

Nach dem Krieg konnten die Compey Aigle deshalb nicht mehr zurückfordern. Bern liess die Burg wieder herrichten und machte sie 1488 zum Sitz eines Landvogts. Die Vertreter Berns residierten hier bis zur Helvetischen Revolution von 1798. 1804 wechselte die Burg in den Besitz der Gemeinde Aigle und wurde bis 1976 als kantonales Gefängnis genutzt. Seither ist sie als Museum der Öffentlichkeit zugänglich.

(Quelle: MEYER, Werner. Burgen der Schweiz, Band 4: Kantone Genf, Waadt, Wallis. Zürich 1981. S. 22-24.)


Grundrißplan
Ansichten
Infoseite

zurück