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Das
südliche Ufer des Zürichsees ist eine ausgesprochen
burgenarme Gegend, denn die Eigentumsrechte des Zürcher
Fraumünsterstifts und des Klosters Einsiedeln verhinderten
hier die Bildung eigenständiger Herrschaften. Im Randgebiet
zwischen Zürcher und Einsiedler Besitz vermochten sich
im 12. Jhdt. jedoch die Freiherren von Wädenswil zu
etablieren. Ihre erste Erwähnung 1130 ist zwar unsicher,
denn die Echtheit der entsprechenden Urkunde wird angezweifelt.
1150 aber wird ein Burkhard von Wädenswil in einer Urkunde
von König Konrad III. genannt. In den folgenden Jahren
tauchen auch seine drei Brüder Walther I., Eberhard
und Rudolf I. von Wädenswil verschiedentlich in Quellentexten
auf.
Über den Wohnsitz der vier Brüder
ist nichts bekannt, die ältesten
noch sichtbaren Bauten der Burg Alt-Wädenswil wurden um
1200 errichtet. Damals entstand auf dem felsigen Grat der mächtige
Freiherrenturm mit bis zu 4 Meter dicken Mauern aus Megalithmauerwerk.
Ein Halsgraben schützte den Bau auf der Ostseite, der
Burgfels wurde rundum künstlich abgeschrotet. Die Burg
muss der Wohnsitz des 1217 erstmals erwähnten Rudolf II.
von Wädenswil gewesen sein. Er heiratete Ita von Unspunnen,
und zwei seiner Söhne traten später deren Erbe im
Berner Oberland an. Rudolf III. übernahm nach dem Tode
des Vaters um 1240 die Stammburg. Bald setzte der wirtschaftliche
Niedergang der Familie ein. Rudolf III., der zwar sechs Töchter
aber keinen männlichen Erben hatte, verkaufte 1287 Burg
und Herrschaft Wädenswil für 650 Mark Silber dem
Johanniterorden, behielt sich allerdings das Nutzungsrecht
bis zu seinem Tod vor.
Im Jahr 1300 starb Rudolf III., und die Johanniterkommende Bubikon sollte die Burg übernehmen. Doch die Erben der
Wädenswiler fochten den Verkauf von 1287 an und erwirkten
im Oktober 1300 eine königliche Entscheidung. Albrecht
von Habsburg sprach die Herrschaft zwar den Johannitern zu,
doch mussten die Erben finanziell entschädigt werden.
Um 1330 wurde Alt-Wädenswil eine eigenständige Kommende
mit eigenem Komtur und rund einem Dutzend Ordensbrüdern.
Die Festung wurde in den folgenden 150 Jahren zu einer mächtigen
Ordensburg ausgebaut. Bereits 1316 wird eine Kapelle erwähnt.
Noch im 14. Jhdt. entstand auf dem östlichen Felskopf
ein geräumiger neuer Hauptbau, das grosse Johanniterhaus.
Das auf der Ost- und Südseite durch Gräben zusätzlich
geschützte Gebäude enthielt insgesamt 13 Räume,
zwei davon enthielten Betten für die Krankenpflege.
Der Konvent der Ordensbrüder zu Wädenswil wird 1446
letzmals erwähnt, bald danach scheint er sich aufgelöst
zu haben. Als Sitz von Komtur Johannes Lösel, der auch
Grossmeister des Ordens in Deutschland war, behielt die Burg
aber ihre Bedeutung und wurde auch weiter ausgebaut. Sie erhielt
um 1450 eine mit Türmen versehene Ringmauer und eine neue
Toranlage mit Zwinger. Wegen der hohen Baukosten von 2500 Gulden
erhielt Lösel prompt eine Rüge von der Ordenszentrale
auf Rhodos.
1489 zogen aufgebrachte Bauern aus der Umgebung vor die Burg
und versuchten, sie zu stürmen. Obwohl nur von drei Männern
verteidigt, konnte sie sich halten, weil rechtzeitig eine Truppe
aus Zürich eintraf und mit den Belagerern verhandelte.
Als zur Zeit der Reformation sich das Umland vom katholischen
Glauben abwandte, begannen die Johanniter mit der Stadt Zürich über
einen Verkauf der Herrschaft Wädenswil zu verhandeln.
1549 stimmte die Stadt dem Kauf zum Preis von 19346 Gulden
zu, doch innerhalb der Eidgenossenschaft wurde gegen den Handel
Einspruch erhoben. Vor allem die katholischen Schwyzer befürchteten,
die reformierten Zürcher bekämen mit der Burg eine
starke Festung nahe ihrer Grenze in die Hand. Die Einigung
von 1550 sah vor, dass Zürich die Herrschaft zwar kaufen,
die Burg aber schleifen musste. Zürich liess bei der Übernahme
ein detailreiches Inventar der Anlage erstellen, bevor diese
1557 dann tatsächlich abgebrochen wurde.
In den folgenden Jahrhunderten diente Alt-Wädenswil vielfach
als Steinbruch. Insbesondere beim Bau der Bahnlinie von Wädenswil
nach Einsiedeln wurden ab 1870 grosse Teile der Burg gesprengt,
um Baumaterial zu gewinnen. Als der grossen Ruine das endgültige
Verschwinden drohte, wurde 1900 ein Komitee zu ihrer Erhaltung
gegründet, dass die Anlage erwerben konnte. Von 1901 bis
1904 wurden erste Freilegungsarbeiten durchgeführt. Weitere
Ausgrabungs- und Konservierungskampagnen fanden von 1938 bis
1941 und 1983 statt. |