Altstätten wird erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr
853 erwähnt, beim Landtausch eines gewissen Gerhart mit
dem Reichskloster St. Gallen. Einzelfunde lassen aber vermuten,
das hier schon lange zuvor eine Siedlung bestanden hat. Als
Ausgangspunkt des mittelalterlichen Ortes wird ein früher
Herrschaftshof im südwestlichen Teil der Altstadt vermutet.
Mit Heinrich von Altstätten, Abt zu Pfäfers, wird
1155 erstmals ein Vertreter einer lokalen Adelsfamilie genannt.
Diese errichtete ab 1200 mehrere Burgen in der Umgebung und übte
für das Kloster St. Gallen später das Meieramt
aus.
Die Befestigung von Altstätten wird allgemein dem St.
Galler Abt Bechtold von Falkenstein zugeschrieben. Er war von
1244 bis 1272 im Amt und versuchte im Interregnum, die Besitzungen
des Klosters im Rheintal durch die Errichtung verschiedener
Befestigungsanlagen zu schützen. Während Altstätten
1268 noch als «villa» bezeichnet wurde, nannte
man es 1298 bereits ein «oppidum», also einen befestigten
Ort. Moderne bauanalytische Untersuchungen bestätigen,
dass die Stadtbefestigung gegen Ende des 13. Jhdt. errichtet
wurde. Beim Abbruch des Schelmenturms im 19. Jhdt. soll ausserdem
ein Ziegel mit der Jahreszahl 1295 gefunden worden sein.
Die Stadtmauer, heute noch bis zu 6 Meter hoch erhalten,
wurde aus ganzen und gebrochenen Bollensteinen errichtet.
Sie verfügte über
drei Tore: Das Ober- oder Hexentor, das Markt- oder Kreuztor
und das heute noch erhaltene Untertor. Der Schelmenturm, ein
starker Rundturm, schützte die nördliche Ecke. Im
westlichen Teil der Stadt entstanden ausserdem zwei herrschaftliche
Höfe. Einerseits der heute nicht mehr mit Sicherheit lokalisierbare
Frauenhof, um 1450 als städtischer Sitz der Meier von
Altstätten errichtet. Andererseits der Hof Prestegg, den
1488 der reiche Kaufmann Rudolf Mötteli erbauen liess,
dem zahlreiche Burgen in der Nordostschweiz gehörten.
In einer Urkunde vom 30. Juni 1298 verpfändete König
Adolf von Nassau nur zwei Tage vor seinem Tod Abt Wilhelm von
St. Gallen unter anderem die Vogteirechte über Altstätten.
1299 wurde dann erstmals ausdrücklich festgehalten, dass
die Niedere Gerichtsbarkeit über die Stadt in den Händen
der Meier lag. Eine eigenständigere Entwicklung der Stadt
wird erst gegen Ende des 14. Jhdts. erkennbar: 1378 trat Altstätten
dem Schwäbischen Städtebund bei, spätestens
1392 verfügte die Stadt über ein eigenes Siegel.
Schwierig wurde die Lage in den Appenzeller Kriegen. Im Machtbereich
des Reichsklosters und unter habsburgischer Landeshoheit
wurde Altstätten zum Ziel der Aufständischen. 1405 wurde
es von Appenzellern und St. Gallern belagert, die erst abrückten,
als sich das Heer des österreichischen Landesherrn näherte.
Dieses erlitt jedoch in der Schlacht am Stoss eine deutliche
Niederlage, worauf Altstätten mit den Aufständischen
ein Bündnis einging. Das veranlasste den habsburgischen
Landvogt, Graf Hermann von Sulz, Altstätten 1410 seinerseits
zu belagern. Die Appenzeller halfen bei der Verteidigung, doch
als Herzog Friedrich von Österreich mit Verstärkung
anrückte, flohen die Einwohner in die nahen Berge. Die
Habsburger legten Altstätten in Schutt und Asche.
Der Wiederaufbau der Stadt dürfte unmittelbar darauf erfolgt
sein. Ein Ammann und Rat von Altstätten tauchen 1415 erstmals
in den Schriftquellen auf, ein Marktrecht ist ab 1425 bezeugt.
Nach dem Übergang der Landesherrschaft im Rheintal an
die Eidgenossen verlangten die Altstätter 1523 selbstbewusst
eine Einschränkung der klösterlichen Herrschaftsrechte – diese
wurden allerdings erst 1798 abgeschafft.
Kaum waren die ersten Wirren der Reformationszeit vorbei,
wurde Altstätten durch eine fürchterliche Feuersbrunst
1567 nahezu gänzlich vernichtet. Inwiefern damals auch
die Stadtbefestigung zu Schaden kam, ist nicht bekannt. Ein
weiterer Grossbrand ereignete sich im Jahr 1801.
In den folgenden Jahrzehnten begann man mit dem Abbruch der
Befestigungsanlagen. Der Schelmenturm wurde 1858, das Obertor
1883 niedergelegt. Erhalten geblieben sind, wenn auch in
stark veränderter Form, das Untertor und der Hof Prestegg, der
heute das Altstätter Museum beherbergt. Ausserdem steht
im südwestlichen Teil der Altstadt noch ein rund 120 Meter
langes Stück der mittelalterlichen Stadtmauer, das 1995
einer Bauanalyse unterzogen wurde. |