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Bis
ins Spätmittelalter existierte in der Linthebene zwischen
Tuggen und Kaltbrunn der sogenannte Tuggenersee, der im 16.
Jhdt. verlandete. An seinem östlichen Rand stand die
Turmburg Bibiton, die ursprünglich wahrscheinlich von
Wasser umgeben war. Bei der Ausgrabung der Ruine wurde festgestellt,
dass die Fundamente der Anlage auf einem Pfahlrost stehen.
Die 1,6 Meter dicken Mauern aus geschichteten Bachsteinen
bilden einen quadratischen Grundriss von 12,2 Metern Seitenlänge.
Durch eine 0,7 Meter dicke Binnenmauer war der Innenraum
in ein grösseres und ein kleineres Zimmer unterteilt.
Der Zugang zum Turm befand sich auf der Südostseite.
Als Erbauer von Bibiton gelten die Grafen von Rapperswil, die
als Kastvögte des Klosters Einsiedeln im frühen 13.
Jhdt. verschiedene Wehrbauten in der Linthebene errichteten,
neben Bibiton wahrscheinlich auch die benachbarten Wehranlagen
Wandelberg und Grynau (SZ). Der Name wird aus dem Althochdeutschen
von «zi den bibéntôn wisôn» (zu
den bebenden Wiesen) hergeleitet – eine Referenz an den
instabilen, sumpfigen Baugrund.
Im 14. Jhdt. war Bibiton Sitz von Lehnsträgern der Grafen
von Toggenburg. 1358 hatte Edelknecht Kraft Schnode, Gerichtsherr
zu Krinau im Toggenburg, seinen Sitz «zu Bibenten».
Dies ist zugleich die erste schriftliche Erwähnung der
Burg. Der Chronist Johannes Stumpf (16. Jhdt.) berichtet, dass
die Edlen von Bruchi, Bürger von Rapperswil, bis 1393 «uff
Bibenten» gewohnt hätten. 1419 war die kleine Burg
Sitz von Oswald von St. Johann, Meier des Klosters Einsiedeln
und toggenburgsicher Dienstmann. Seine Familie ist bis 1428
auf Bibiton bezeugt. Die Burg wurde im 15 Jhdt. aufgegeben.
Ob ihr Ende durch eine Zerstörung im Alten Zürichkrieg
(um 1444) beschleunigt wurde, ist nicht sicher.
1863 liess der damalige Besitzer des Geländes die Mauerreste
der Burg bodeneben abtragen. Nachdem 1928 der Lokalhistoriker
Johann Fäh das Areal erworben hatte, konnte 1936/37 eine
Ausgrabung durchgeführt werden. Dabei zeigte sich, dass
das gesamte erste Stockwerk der Turmburg noch im Boden, unterhalb
des heutigen Grundwasserspiegels versteckt war. Die sichergestellten
Funde aus dem 14. und 15 Jhdt. umfassen diverse Ofenkacheln,
Türschlösser, Werkzeuge, Hufeisen und die Überreste
eines Plattenharnischs. Nach der Untersuchung wurden die freigelegten
Mauerreste grösstenteils wieder zugedeckt, weil andernfalls
das Grundwasser dauernd aus der Ruine hätte abgepumpt
werden müssen. |