Konrad
von Falkenstein, dessen Stammburg bei St. Gallen lag, benannte
sich 1254 erstmals nach «Grimminstein». Unter
Abt Berchtold von St. Gallen hatte er als Dienstmann des
Reichsklosters offenbar kurz zuvor die Herrschaft Grimmenstein
als Lehen erhalten. Berchtold versuchte damals, mit einer
Reihe neu errichteter Burgen die Besitzungen des Klosters
im Rheintal gegen die Grafen von Monfort und von Werdenberg
zu sichern. Grimmenstein wurde auf einem Grat hoch über
dem Bodensee errichtet und bergseits durch einen Halsgraben
geschützt. Markantester Bau der Burg war der mächtige
Wohnturm aus Sandstein, der im Grundriss 15,1 x 15 Meter
mass, bei einer maximalen Mauerdicke von 3,25 Metern. Er
war mindestens vier Stockwerke hoch und über einen Hocheingang
im ersten Obergeschoss zugänglich. An den Turm schloss
talseitig ein Burghof mit Wohn- und Ökonomiegebäuden
an. Hier befand sich auch eine mehrere Meter tief in den
Fels gemeisselte Zisterne.
Mit Ritter Heinrich starb die Familie von Grimmenstein bereits
kurz vor 1315 aus, die Herrschaft fiel damit zurück ans
Kloster. Abt Heinrich von Ramstein übertrug die Burg in
jenem Jahr dem Freiherrn Wilhelm I. von Enne aus dem Südtirol.
Die Ritter von Enne waren kurz zuvor durch die Habsburger von
ihrer Stammburg bei Montan, südlich von Bozen, vertrieben
worden. Unter Wilhelms Sohn Rudolf I. fochten die Herren von
Enne zu Grimmenstein an der Seite der Grafen von Bregenz eine
Fehde mit den Rittern von Rosenberg und von Baldegg aus. Dabei
soll die Herrschaft Grimmenstein arg verwüstet worden sein. Ähnliches
geschah eine Generation später: Die Grimmensteiner verbündeten
sich mit den Grafen von Werdenberg-Heiligenberg gegen die Grafen
von Monfort, die von Habsburg unterstützt wurden. 1361 zog
der Herzog von Österreich mit einem Heer vor die Burg und
eroberte sie. Wilhelm III. von Enne bekam seinen Sitz zwar wieder
zurück, fortan wurde Grimmenstein aber als habsburgisches,
nicht mehr als st. gallisches Lehen betrachtet.
Wilhelm III. verlor seine Burg jedoch ein zweites Mal. In den
Appenzellerkriegen zogen 1405 Truppen der Stadt St. Gallen vor
Grimmenstein, nahmen den Ritter und seine Gemahlin gefangen und
zerstörten die Festung. Erst 1408, nachdem der Schwäbische
Adel und König Ruprecht in den Konflikt eingegriffen hatten,
erhielten die Herren von Enne Grimmenstein wieder ausgehändigt.
Nun waren die Brüder Wilhelm VI. und Georg II. von Enne
Herren zu Grimmenstein. Die zerstörte Burg wurde bald wieder
aufgebaut und die Brüder betätigten sich von hier aus
als Raubritter, indem sie Kaufleute beraubten und eine Fehde
gegen die Städte am Bodensee führten. Weil der Stern
ihres Lehnsherrn, des Herzogs Friedrich von Österreich,
damals zu sinken begann, traten sie am Konstanzer Konzil von
1415 ins Gefolge von König Sigismund über. Das Raubrittertum
verfolgten sie jedoch weiter. Im Frühling 1416 überfielen
Diener der Ritter von Enne ein Handelsschiff auf dem Bodensee.
Georg II. konnte in Konstanz verhaftet werden, sein Diener wurde
auf der Flucht ergriffen und im See ertränkt. Nun wurden
die Herren von Enne gezwungen ihre Burg der Stadt zu übergeben.
Die Festung wurde von den wütenden Bürgern angezündet
und anschliessend gründlich geschleift. Die Herrschaft hingegen
konnte 1418 für 2000 Gulden an die Stadt St. Gallen verkauft
werden.
Georg II. von Enne überliess die Liquidation seines Besitzes
seinen Brüdern und ging nach Polen, um für den Deutschritterorden
zu kämpfen. Doch kehrte er bald zurück, mit der Absicht,
sich an Konstanz zu rächen. 1425 entführte er mehrere
Konstanzer Bürger auf die Burg Rappoltstein im Elsass, um
ein Lösegeld zu erpressen. Dies war einer der Auslöser
für den Krieg zwischen Adel und Städten in Süddeutschland,
der bis 1430 dauern sollte und in welchem Georg II. eine wichtige
Rolle spielte. Der alte Haudegen starb um 1436.
Während Grimmenstein eine Ruine blieb, wurde die etwas tiefer
gelegene Vorburg weiter bewohnt. Seit 1320 erwähnt, wurde
sie im Verlauf der Jahrhunderte zu einem edlen Landsitz ausgebaut
und diente nach dem Verkauf der Herrschaft an die Stadt St. Gallen
deren Vögten bis 1546 als Wohnsitz. Die Burg selbst aber
blieb dem Zerfall überlassen, bis sie von 1936 bis 1938
ausgegraben wurde. Dabei stiess man auf zahlreiche Spuren gewaltsamer
Zerstörungen, darunter viele Geschossspitzen. Das Mauerwerk
wurde damals gründlich saniert, wobei man sich auch dazu
verleiten liess, einen Torbogen im Ostteil der Anlage frei zu
rekonstruieren. Die Ruine gehört heute der Ortsgemeinde
St. Margrethen. |