Wappen von Sennwald
BURG HOHENSAX
Europa / Schweiz / Kanton St. Gallen / Wahlkreis Werdenberg / Sennwald

Information

Bilder

Historie

Grundriss

Die Freiherren von Sax waren eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter im ostschweizerischen Raum. So gehörte ihnen die grosse Talsperre von Mesocco (Kanton Graubünden), während sie nördlich der Alpen vor allem im Rheintal begütert waren, wo ihre Stammburg oberhalb des Dorfes Gams vermutet wird. Dort wurde eine weitläufige Burganlage entdeckt, die um 1200 durch einen Brand zerstört worden sein muss.
Unweit nördlich von Gams gründeten die Saxer die beiden Festungen Hohensax und Forstegg. Hohensax entstand vermutlich im 12. Jhdt. Im März 1210 stellten Heinrich von Sax und sein Sohn Albert «in castro Saches» eine Urkunde aus – die erste schriftliche Erwähnung der Burg. Sie wurde auf Rodungsland als freier Eigenbesitz errichtet. Kern der Anlage war der Wohnturm mit bis zu 2,25 Meter starken Mauern aus schiefrigen Bruchsteinen und einem Hocheingang auf der Südseite. Er wird – vor allem aufgrund seiner Randlage – auf das 13. Jhdt. datiert. Bei der Platzierung musste wahrscheinlich auf bereits bestehende Gebäude aus einer früheren Bauphase Rücksicht genommen werden. Die Ringmauer der Burg umschloss einen geräumigen Palas und den Burghof, in welchem sich eine Zisterne befand. Wie neuere Untersuchungen ergaben, wurde das Baumaterial für die ganze Anlage wahrscheinlich im Grabenbereich südwestlich des Burgfelsens gewonnen.

Heinrich von Sax pflegte beste Beziehungen zu Kaiser Friedrich II. Sein Bruder Ulrich besass als Abt des Reichsklosters St. Gallen ebenfalls grosse Macht. Mit dem Ende des Königtums der Hohenstaufen (1254) verloren die Sax jedoch etliche Reichslehen und viel Einfluss. Die Familie spaltete sich in mehrere Zweige auf, wiederholte Erbteilungen schwächten ihre Stellung. Kurz vor 1315 kam es zudem auf Hohensax zu einer Brandkatastrophe. Die Zugangslaube zum Hocheingang des Turms, dessen Dach und alle Innenausbauten über dem 1. Obergeschoss fielen den Flammen zum Opfer. Eine dendrochronologische Analyse ergab, dass die Laube um 1315 ersetzt worden sein muss. Der obere Teil des Turms wurde damals neu aufgemauert und auf der Nordwest- und Nordostseite mit je einem Wehrerker ausgestattet. Gleichzeitig wurde die westliche Ringmauer der Kernburg zu einer hohen, 2,5 Meter dicken Schildmauer umgestaltet. Maueröffnungen für Tragbalken zeigen, dass wahrscheinlich auch hier auf der Aussenseite Wehrlauben angebracht waren.

Im frühen 14. Jhdt. besassen Ulrich Branthoch und Ulrich Eberhard III. von Hohensax Burg und Herrschaft gemeinsam. Sie versuchten, sich der Vormachtstellung von Habsburg-Österreich im Rheintal zu entziehen und unterstützten die aufständischen Appenzeller. So erlaubten sie diesen 1345, hoch über der Burg in der Saxerlücke eine Sperrmauer (Letzi) zu errichten.
In der zweiten Hälfte des 14. Jhdt. kam es zum Familienstreit. Ulrich Eberhard III. verhielt sich damals, obwohl er nur die Hälfte von Hohensax besass, wie ein Alleinherrscher. Deshalb zogen seine vier Neffen 1393 vor die Burg und eroberten sie. Herzog Leopold von Österreich entschied jedoch, dass die Festung unverzüglich zurückzugeben sei. Die vier Eroberer mussten auf ihre Ansprüche vorläufig verzichten und wurden gezwungen, Österreich nach dem Tod ihres Onkels als Lehnsherrn über Hohensax anzuerkennen. Aus Wut über ihre Niederlage räumten sie die Burg vor der Rückgabe gründlich aus.

Die wohlwollende Haltung der Herren von Hohensax gegenüber den Appenzellern verhinderte im frühen 15. Jhdt., dass ihre Rheintaler Burgen zerstört wurden. Nach dem Sieg in der Schlacht am Stoss erhielten die aufständischen Bauern gar ein Verfügungsrecht über Hohensax. 1411 wurden Burg und Herrschaft jedoch an die habsburgisch gesinnten Herren von Bonstetten vererbt, was Hohensax zum Verhängnis werden sollte. Als Österreich im Alten Zürichrieg in die inneren Angelegenheiten der Eidgenossenschaft einzugreifen drohte, zogen die Appenzeller 1446 vor die Burg, erstürmten sie und liessen sie in Flammen aufgehen. Ein Schiedsgericht von 1461 sprach zwar die Herrschaften Hohensax und Gams nochmals den Herren von Bonstetten zu. Der Versuch, die Burg wieder aufzubauen, scheiterte jedoch am Wiederstand der lokalen Bevölkerung. Seither blieb Hohensax dem Zerfall überlassen. Die Familie der Erbauer starb allerdings erst 1633 mit dem Tod von Christoph Friedrich von Hohensax aus.
Erste Sicherungsarbeiten am Mauerwerk der Ruine wurden 1953/54 ausgeführt. Um den fortschreitenden Zerfall aufzuhalten, wurde 1991 die «Stiftung Ruinen Hohensax und Frischenberg» gegründet. Nach langen Vorarbeiten bekam diese 2008 die Mittel zusammen, um Turm und Schildmauer zu sanieren und bauhistorisch untersuchen zu lassen.

Quellen: Jakob Obrecht - Die Bauuntersuchung an Turm und Schildmauer der Ruine Hohensax, Sennwald SG, 2008. In: Mittelalter. Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins. 14. Jhg./Nr. 4. Basel 2009. S. 135-160. / Werner Meyer (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 6: Kantone St.Gallen, Thurgau, Appenzell-Innerrhoden, Appenzell-Ausserrhoden. Zürich 1983. S. 38-39. / Fritz Hauswirth - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 2: St. Gallen, Appenzell, Fürstentum Liechtenstein. Kreuzlingen o.J. S. 99-100. / Robert Schedler - Die Freiherren von Sax zu Hohensax [59. Neujahrsblatt des Historischen Vereins des Kantons St. Gallen]. St. Gallen 1919. S. 3-58. / H. Müller-Hitz - Die Freiherren von Sax. In: Hermann Meili (Hg.). Burgen, Schlösser und Burgherrengeschlechter der Ostschweiz. Trogen 1970. S. 55-59. / Gottlieb Felder - Die Burgen der Kantone St. Gallen und Appenzell, 2. Teil [51. Neujahrsblatt des Historischen Vereins des Kantons St. Gallen]. St. Gallen 1911. S. 25-28. / Daniel Reicke - «von starken und grossen flüejen»: Eine Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk an Burgtürmen im Gebiet zwischen Alpen und Rhein [Schweizerische Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters, Bd. 22]. Basel 1995. S. 142-143. / Heinrich Boxler - Die Burgnamengebung in der Nordostschweiz und in Graubünden [Studia Onomastica Helvetica, Bd. 2]. 2. Aufl. Arbon 1991. S. 234-235. / Jerome H. Farnum - 20 Ausflüge zu romantischen Burgruinen in der Schweiz. Bern/Stuttgart 1976. S. 150-152. / Thomas Bitterli - Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 497.
Alle Angaben ohne Gewähr!
Diese Webseite ist Bestandteil von www.burgenwelt.de und darf nicht von oder in Webseiten anderer Anbieter verlinkt werden (Deep-Link)!


© 2010