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Die
Neu-Toggenburg stellt ein aussergewöhnliches Beispiel
einer hochadligen Höhenburg dar. Das Zentrum der weitläufigen
Anlage, ein Felsklotz aus Nagelfluh auf dem höchsten
Punkt der Bergspitze, ist umgeben von fünf halbkreisförmigen,
konzentrischen Gräben. Diese Anordnung lässt vermuten,
dass der Platz bereits im Frühmittelalter oder
gar noch früher befestigt wurde.
Kleinfunde von der Burg deuten darauf hin, dass sie im späten
12. Jhdt. gegründet wurde. Obwohl auf dem höchsten
Punkt nur schwache Mörtelspuren entdeckt wurden, wird
angenommen, das hier zunächst ein einfacher Wohnturm stand.
An Bedeutung gewann die Anlage wohl erst nach 1226, als die
Toggenburger nach dem Mord an Graf Friedrich I. ihren alten
Familiensitz, die Alt-Toggenburg bei Kirchberg (SG), an die
Abtei St. Gallen aufgeben mussten.
Im 13. Jhdt. wurde die Neu-Toggenburg deutlich vergrössert,
so dass die beiden innersten Gräben innerhalb der Kernburg
zu liegen kamen. Eine zwei Meter dicke Ringmauer begrenzte
den Burghof. Wo sie im Süden die Sohle des innersten Graben
ausfüllte, befand sich vermutlich das erste, heute wieder
sichtbare Burgtor. Es wurde in einer späteren Phase zugemauert
und durch einen breiteren Zugang auf der Nordwestseite ersetzt.
Am nördlichen Ende der Burg befand sich der Palas, von
dem heute noch die Grundmauern erhalten sind. Eine Vertiefung
in seiner Mitte deutet an, dass sich hier vielleicht eine Zisterne
befunden hat. Ebenfalls als Wasserspeicher lässt sich
der über 4 Meter tiefe Schacht auf der Nordseite des Hauptfelsens
interpretieren. Auf der Ostseite der Burg gab es, mit Ausnahme
der Mündung des innersten Grabens, keine Wehrmauern. Das
hier nahezu senkrecht abfallende Gelände erübrigte
weitere Befestigungswerke.
In den Schriftquellen taucht die Neu-Toggenburg nur selten
auf. 1270 stellten die Grafen Friedrich II. und Diethelm VII. «in
castro novo Toggenburc» eine Urkunde aus. 1271 wird die
Anlage auch in einem von Graf Wilhelm unterzeichneten Schriftstück
erwähnt. Von ihm wurde auf der Ruine ein Siegelstempel
gefunden. In einem 1280 von Friedrich II. unterzeichneten Dokument
wird die Burg hingegen «Hohun Toggenburc» genannt – ein
abweichender Name, der sich aber nicht durchsetzen konnte.
Den Kleinfunden gemäss war die Neu-Toggenburg das ganze
14. Jhdt. hindurch bewohnt. Das Grafengeschlecht stieg damals
zur bedeutendsten unabhängigen politischen Kraft im Gebiet
der Nordostschweiz auf. Trotzdem wird die neue Stammburg erst
1399 wieder erwähnt, anlässlich einer Güterteilung
zwischen den Grafen Donat und Friedrich VII. von Toggenburg.
Es ist anzunehmen, dass die abgelegene, nur auf steilen Wegen
erreichbare Anlage nach dem Tod des letzten Grafen, Friedrich
VII. (1436) aufgegeben und dem Zerfall überlassen
wurde. Eine Zerstörung durch die aufständischen Appenzeller
scheint hingegen ausgeschlossen, da Friedrich VII. mit diesen
mehrfach Friedensverträge abgeschlossen hatte.
1436 erbten die Freiherren von Raron das Toggenburg. Petermann
von Raron verkaufte diesen Besitz 1468 an die Abtei St. Gallen.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte die Neu-Toggenburg
jegliche Bedeutung eingebüsst.
Im 19. Jhdt. wurde die Ruine von der Bevölkerung aus der
Umgebung als Steinbruch ausgebeutet. Teilweise wurden die Mauerzüge
auch abgetragen, damit sie nicht auf die Häuser von Wasserfluh
herabstürzen konnten. Schliesslich überwucherte die
Anlage und geriet in Vergessenheit, bis sie 1936/37 gänzlich
freigelegt und die Mauerreste konserviert wurden. Dabei kam
ein breites Spektrum von Kleinfunden zutage: Knochen von allerlei
Wildtieren sowie von Hunden, Rindern, Schafen, Ziegen, Hühnern
und Gänsen, etliche Becherkacheln von Öfen, figürliche
Keramik, Aquamanilien, Scheren, Schlüssel, Dolchklingen,
Bolzen- und Pfeilspitzen und anderes mehr. Sie sind im Toggenburger
Museum in Lichtensteig ausgestellt. |