Die Herren von Rudenz stammten aus dem Haslital im
Berner Oberland, wo sie einen heute nicht mehr genau lokalisierbaren
Wohnturm in Meiringen
besassen. Sie waren Dienstleute der Herren von Brienz-Ringgenberg,
welche auch Güter nördlich des Brünigpasses besassen.
Möglicherweise bereits um 1200 setzten sich die Rudenz in Giswil
fest und errichteten hier einen neuen Wohnsitz.
Es handelte sich dabei um eine einfache Turmburg auf einem kleinen
Geländevorsprung
am Hang östlich über dem Dorf. Bergseitig wurde die Anlage
vielleicht durch einen Graben geschützt, ansonsten sind keine weiteren
Befestigungselemente erkennbar. Der Bau mit einer maximalen Mauerstärke
von 1,8 Metern weist einen leicht trapezförmigen Grundriss mit Seitenlängen
von 9,8 bis 11,1 Metern auf. Die Mauern sind aus teilweise recht grossen
Steinblöcken regelmässig geschichtet und weisen bearbeitete
Ecksteine auf. Der Turm, heute nur noch knapp 5 Meter hoch erhalten,
muss ursprünglich über einen Hocheingang zugänglich gewesen
sein.
Ritter Heinrich von Rudenz wird als erster Vertreter der Familie von
1252 bis 1273 in den Schriftquellen genannt. Der Flurname «Rudentz» wird
1314 für Giswil erstmals erwähnt, für in Obwalden gelegene
Güter war die Ritterfamilie damals dem Kloster Luzern und dem Stift
Beromünster zinspflichtig. Die Herren von Rudenz knüpften in
der Folge Beziehungen bis ins Urnerland, gaben aber auch ihre Stellung
im Haslital nach wie vor nicht auf. Johannes I. von Rudenz taucht von
1329 bis 1331 gar als Landammann von Hasli auf. 1347 konnte die Familie
das Meieramt von Giswil vom Herzog von Österreich als Lehen empfangen,
später auch jenes von Alpnach.
Heinrich III. von Rudenz heiratete um die Mitte des 14. Jhdts. die Erbtochter
der Freiherren von Attinghausen aus Uri. Um das Erbe antreten zu können,
verkauften seine Nachkommen bis 1366 alle Güter und Rechte im Berner
Oberland und in Obwalden. Ritter Johann II. erwarb nun das Landrecht
in Uri und residierte zu Flüelen in der dortigen Burg Rudenz. Er
brachte es zu Macht und Ansehen, starb jedoch um 1383 als Letzter seiner
Familie.
Wer den Turm zu Giswil nach dem Wegzug seiner Erbauer bewohnt hat, ist
unbekannt. Erst 1478 wird die «Veste zu Rudentz» wieder erwähnt,
nun als Besitz des Landammanns Heinrich Bürgler. Auch sein Sohn
war 1501 noch Inhaber der Burg. Diese, weiterhin als Wohnsitz genutzt,
wurde den Erfordernissen der Zeit angepasst. Der ebenerdige Eingang auf
der Südwestseite, durch den man heute die Ruine betritt, wurde vermutlich
damals ausgebrochen. Der Basler Konrad Schnitt bemerkte um 1530 in seinem
Wappenbuch: «Burg Rudentz (nit weit vom Hunwiler Seli) ist jetz
ein huß». In gleicher Weise wird die Anlage auch in der Chronik
des Johannes Stumpf von 1548 beschrieben.
Wann die Burg aufgegeben wurde, ist nicht überliefert. Offenbar
wurde sie in späteren Jahrhunderten als Steinbruch ausgebeutet.
Bereits um 1850 wurden auf dem Burghügel Ausgrabungen gemacht, bei
denen Pfeil- und Lanzenspitzen sowie Steigbügel zum Vorschein kamen. Ähnliche
Funde wurden gemacht, als 1887 hinter der Burg das Trassee der Brünigbahn
angelegt wurde.
QUELLEN: MEYER,
Werner (Red.). Burgen der Schweiz, Bd. 1: Kantone Uri, Schwyz, Unterwalden,
Glarus, Zug. Zürich 1981. S. 69. / MEYER, Werner/WIDMER,
Eduard. Das grosse Burgenbuch der Schweiz. Zürich 1977. S. 101.
/ DURRER, Robert. Die Kunstdenkmäler des Kantons Unterwalden. Zürich
1899-1928. S. 309-311. / BIRCHLER, Linus. Die Burgen und Schlösser
der Urschweiz. Basel 1929. S. 73-74. / HAUSWIRTH, Fritz. Burgen und Schlösser
der Schweiz, Bd. 6: Urschweiz und Glarus. Kreuzlingen 1970. S. 88-90.
/ BITTERLI, Thomas. Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995.
Nr. 445. / Infotafel auf der Burg. |