Sargans
gehörte ursprünglich zum Herrschaftsbereich der
Grafen von Bregenz und kam nach deren Aussterben und der
nachfolgenden Erbteilung an Pfalzgraf Hugo von Tübingen.
Sein jüngerer Sohn, Graf Hugo I. von Montfort, war es
wohl, der um 1200 auf dem Bergvorsprung zwischen Seez- und
Rheintal die Burg Sargans errichten liess. Bauhistorische
Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass am selben Ort
bereits zuvor gemauerte Gebäude standen - möglicherweise
von einer Vorgängeranlage.
Repräsentatives Wahrzeichen des neuen Adelssitzes war der
mächtige Bergfried, der ab dem dritten Geschoss zum Wohnturm
ausgebaut war. Das 34 Meter hohe Gebäude verfügt über
bis zu 2,5 Meter dicke Mauern und misst im Grundriss rund 13
x 9 Meter. Der ehemalige Hocheingang ist heute noch auf der Ostseite
erkennbar. An den Turm und die Ringmauer angelehnt waren Nebengebäude,
die allerdings immer wieder umgestaltet wurden. Der Zugangsbereich
im Westen wurde durch einen vorgelagerten Zwinger abgedeckt.
Graf Hugo I., Stammvater der Grafen von Monfort und von Werdenberg,
starb 1228. Sein Sohn Rudolf I. von Werdenberg war mit Clementia
von Kyburg verheiratet, welche sich 1248 Gräfin von Sargans
nannte. Ihr ältester Sohn, Hartmann I., gilt als Stammvater
der Grafen von Werdenberg-Sargans. Die Burg am Fuss des Gonzenmassivs
wurde Wohnsitz dieses Familienzweigs und entsprechend ausgebaut.
Wohl schon unter Hartmann I. entstand auf der Westseite des Burghofs
der Palas. Ausserdem wurde nun am Fuss des Burghügels ein
kleines Städtchen gegründet.
1282 wird die Burg Sargans zum ersten Mal explizit erwähnt,
als Gräfin Elisabeth von Werdenberg-Sargans einen Güterverkauf «in
castro nostro dicto Sargans» beurkundete. Die wirtschaftlichen
Grundlagen der Familie wurden durch mehrere Erbteilungen schon
bald empfindlich geschwächt. Unter Graf Johann I. war der
Niedergang nicht mehr aufzuhalten. Im Dienste von Österreich-Habsburg
sollte er bei der Schlacht von Näfels 1388 über den
Kerenzerberg ins Glarnerland einfallen. Als er und seine Leute
jedoch die Niederlage des Hauptheeres erkannten, ergriffen sie
die Flucht. 1396 sah er sich dann genötigt, Burg und Städtchen
Sargans an Herzog Leopold von Österreich zu verpfänden.
Dieser setzte nun Vögte zur Verwaltung ein.
Sargans geriet damit vollends in den Strudel der kriegerischen
Auseinandersetzungen zwischen den Eidgenossen und den Habsburgern.
1405 zogen die aufständischen Appenzeller vor die Burg,
konnten jedoch nur das Städtchen erobern, das sie gründlich
zerstörten. 1406 verpfändete Österreich-Habsburg
Sargans an Graf Friedrich VII. von Toggenburg. Nach dessen Tod
(1436) fiel die Herrschaft an die Habsburger zurück, welche
sie gegen Übernahme der Pfandschuld an Graf Heinrich II.
von Werdenberg-Sargans übertrugen. So kam die Grafenfamilie
zurück auf ihren Stammsitz.
1445 und 1446, im Alten Zürichkrieg und anlässlich
dem Gefecht von Ragaz, hielt die Burg zweimal Belagerungen durch
die Eidgenossen stand. Offenbar wurde sie baulich aber schlecht
unterhalten, denn 1459 stürzte ein Teil des Palas in sich
zusammen. An der Schwelle zur völligen Verarmung verkaufte
der letzte Graf von Werdenberg-Sargans, Georg II., die Burg samt
den Herrschaftsrechten am 2. Januar 1483 für 15000 Gulden
an die sieben alten Orte der Eidgenossenschaft. Er starb 1504
und hinterliess sechs aussereheliche Kinder.
Die Burg wurde nun zum Sitz eines eidgenössischen Landvogts,
weshalb der Palas entsprechend umgestaltet und vergrössert
wurde. Verschiedene Jahreszahlen im Gebäude deuten darauf
hin, dass sich diese Arbeiten bis ins 16. Jhdt. hingezogen haben.
Der Innenausbau mit der Audienzstube, dem Landgerichtssaal und
der Landvogteistube ist heute noch gut erhalten.
181 verschiedene Vögte verwalteten von der Burg aus die
Landvogtei, bis diese in der helvetischen Revolution von 1798
aufgehoben wurde. Die Anlage wurde 1803 dem neu gegründeten
Kanton St. Gallen zugeschlagen. Nach dem grossen Stadtbrand von
1811 diente sie vorübergehend als Obdachlosenheim und Schulhaus,
bevor sie 1834 versteigert wurde. Käufer war eine Familie
von Toggenburg, die zwei Jahre zuvor den Grafentitel vom französischen
König verliehen bekommen hatte, mit den alten Toggenburger
Grafen jedoch nicht verwandt war. Sie überliess die Burg
dem weiteren Zerfall. Bereits 1860 wurden die Bauten östlich
des Bergfrieds, das sogenannte «Hintere Schloss»,
wegen Baufälligkeit abgebrochen. Auch die restlichen Gebäude
befanden sich in einem bedenklichen Zustand, als 1899 schliesslich
die Ortsgemeinde Sargans die alte Grafenburg erwarb. Ab 1900
erfolgten Restaurierungsarbeiten, und es wurde ein Restaurant
eingerichtet. Im Bergfried befindet sich seit 1983 das Museum
Sarganserland. Heute gehört die Burg zu den beliebtesten
Ausflugszielen der Region. |