Der
Schauenberg, höchste Erhebung zwischen
dem Eulach- und dem Tösstal, war bereits
im ersten und zweiten Jahrtausend v.Chr.
besiedelt. Bei Ausbrabungen wurden Spuren
einer Pallisadenbefestigung und Keramikscherben
gefunden. Um 80 v.Chr. wurde die Anlage,
vermutlich ein nur temporär genutztes
Refugium, aufgegeben. Hinweise auf eine Nutzung
des Berggipfels in römischer Zeit fehlen.
Um 1200 entstand dann die erste mittelalterliche
Anlage, für die jedoch keine schriftliche
Hinweise vorliegen. Der Berggipfel wurde mit
einer neuen Wall- und Grabenanlage umgeben,
wobei sich die Erbauer an den Befestigungsspuren
aus prähistorischer Zeit orientiert haben
könnten. Auf der Westhälfte des Burgareals
wurde ein grosser Kellerraum aus dem Fels geschlagen,
der über eine steinerne Treppe zugänglich
war. Über diesem Raum dürfte sich
eine bescheidene Holzkonstruktion erhoben haben.
Auf der Ostseite des Berggipfels deuten Pfostenlöcher
auf weitere Bauten hin, die jedoch zeitlich
nicht genau zugeordnet werden können.
Hinweise auf die Trinkwasserversorgung fehlen.
Vermutlich wurde das Regenwasser in einer Zisterne
gesammelt.
1242
wird in einer Konstanzer Urkunde ein Ritter
Rudolf von «Schowenberg» erwähnt.
Es darf davon ausgegangen werden, dass seine
Vorfahren die Gründer der Burg waren,
die als Zentrum einer Rodungsherrschaft auf
Boden der Abtei St.Gallen entstanden
war. Die Schauenberger waren jedoch nicht
nur
Dienstleute
des Klosters, sondern treten in den Urkunden
auch als Anhänger des Bischofs von Konstanz
und der Grafen von Kyburg auf. Hartmann von
Schauenberg befand sich gar im Gefolge des
Konstanzer Bischofs, als dieser 1254 in Rom
weilte. Um diese Zeit dürfte auch die
Burg baulich verändert worden sein.
Durch einen 6 Meter tiefen Graben wurde das
Burgareal
in zwei Teile getrennt. Auf der Innenseite
des westlichen Hügels wurde eine rund
1 Meter starke Schildmauer errichtet, der
ein Zwingersystem vorgelagert war. Die östliche
Kuppe des Burghügels gehörte fortan
nicht mehr zum innersten Wehrbezirk, Steinbauten
gab es auf ihr keine.
Die
Burg Schauenberg selbst wird 1260 als «Schowenberc» erstmals
erwähnt. Ihre Gründerfamilie hingegen
verschwindet mit Heinrich von Schauenberg
bereits 1273 aus den Urkunden. Wer nun die
Burg übernahm,
ist unklar. Am ehesten kommen dafür
die Herren von Landsberg in Frage. Sie waren
ebenfalls
Gefolgsleute der Abtei St. Gallen, besassen
zahlreiche klösterliche Lehen in der
näheren
Umgebung und amteten im benachbarten Turbenthal
als Meier. Um 1275 kam es auf der Burg zu
einem Brand, der das Ende der zweiten Bauphase
bedeutete.
Auch mit den Herren von Landsberg ging es
um jene Zeit bergab. Im Streit zwischen Abt
Wilhelm
von St. Gallen und König Rudolf von
Habsburg hielten sie treu zum Kloster, was
zur Zerstörung
ihrer Stammburg bei Ifwil führte. Sie
zogen sich daraufhin in die Stadt Wil zurück
und erwarben deren Bürgerrecht.
Als neuer Burgherr auf dem Schauenberg
trat 1302 Ritter Walter von Kastell auf.
Die Kastell
waren Gefolgsleute der Habsburger und vielleicht
verantwortlich für die letzte Bauphase
der Burg. Über dem alten Felsenkeller
wurde ein mächtiger Wohnturm mit bis
zu 3,5 Meter dicken Grundmauern errichtet,
der
mit Kachelöfen beheizt werden konnte.
Auf dem massiven steinernen Sockel trug
das Gebäude vermutlich einen Obergaden
aus Holz und ein Schindeldach.
1319
starb mit Walters Sohn Dietegen die
Familie der Herren von Kastell aus. Das
Kloster St.
Gallen erhob umgehend Anspruch auf Schauenberg.
Neuer Lehnsherr wurde Beringer von Hohenlandenberg.
Zusammen mit anderen deutschen Rittern
stand er 1322 bis 1323 in päpstlichen
Diensten und befehligte eine Truppe von
etwa 40 Söldnern.
Spätestens 1331 kehrte er in seine
Heimat zurück und erwarb sich hier
bald einen sehr schlechten Ruf als Wegelagerer,
Falschmünzer
und Pferdedieb. Als es 1336 in der Stadt
Zürich
zum Umsturz unter Rudolf Brun kam, wurden
etliche Ritter aus der Stadt verbannt.
Diesen soll
Beringer auf seinen Burgen Gastrecht gewährt
haben. Ausserdem kämpfte er mit Graf
Johann von Habsburg-Laufenburg 1337 bei
Grynau gegen
die Zürcher, wobei er ein Auge verlor.
Diese zürichfeindliche Haltung mag mit
ein Grund gewesen sein, weshalb auf dem
thurgauischen Landtag zu Hafnern um 1340 beschlossen
wurde,
die Burgen Beringers zu zerstören.
Nun gingen die Amtsleute von Habsburg-Österreich
zusammen mit Truppen aus Zürich
und Winterthur gegen den Ritter vor.
1342 oder 1344 (die mittelalterlichen
Quellen machen unterschiedliche Angaben)
wurden
die Burgen Hohenlandenberg und Schauenberg
für immer zerstört. Auf dem
Schauenberg wurde der grosse Wohnturm
angezündet und
nachträglich gründlich geschleift.
Im Oktober 1344 stellte Herzog Friedrich
von Österreich
der Stadt Zürich eine Urkunde aus,
in welcher er versprach, der Stadt beizustehen,
falls sie wegen der Zerstörung von
Hohenlandenberg und Schauenberg belästigt
würde.
Dies hielt Beringer von Hohenlandenberg
allerdings nicht davon ab, weiterhin
gegen Zürich
zu kämpfen. So nahm er im Februar
1350 an der berüchtigten Mordnacht
von Zürich
teil und fand im Strassenkampf den Tod.
Im
17. Jhdt. errichtete Zürich auf dem Schauenberg eine Hochwacht,
die in Sichtverbindung mit zahlreichen anderen Stationen auf
Zürcher Gebiet und im Thurgau stand. Im Zwischengraben
wurde zu diesem Zweck aus Steinen der Burg ein Wächterhaus
erbaut. Um 1800 wurde die Hochwacht aufgegeben. Nun geriet die
Ruine auf dem Schauenberg in Vergessenheit, bis die Zürcher
Kantonsarchäologie 1976 bis 1979 eine umfassende Ausgrabung
und Konservierung der Anlage vornahm.
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