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Um
1245 gründeten die mächtigen Freiherren von Regensberg
auf dem östlichen Ausläufer des Lägernkamms
Burg und Städtchen Neu-Regensberg. Um dieselbe Zeit
siedelten sich in der näheren Umgebung auch Familien
von adligen Dienstleuten an, darunter die Stühlinger,
von Mandach und von Sünikon. Letztere werden in den
Schriftquellen 1281 erstmals als Gefolgsleute der Regensberger
erwähnt.
Sie konnten ihre Position im Lägernstädtchen auch
nach dessen Verkauf an die Habsburger erhalten: 1307 wird
Ulrich von Sünikon als Mitglied des neuen dreiköpfigen
Rates der Stadt aufgeführt. Nach 1397 verschwindet die
Familie aus den Urkunden – es wird angenommen, dass
sie am Ende des 14. Jhtds. ausgestorben ist. Wo
sich der Wohnsitz der Herren von Sünikon befand, ist
bis heute umstritten. 1961 glaubte man die Antwort gefunden
zu haben, als man beim Bau einer Waldstrasse in den «Pflasterwisen» auf
die gemauerte Ecke eines Gebäudes stiess. Der Ort liegt
direkt am einst häufig begangenen Pilgerweg vom Oberrhein
zum Kloster Einsiedeln, 100 Meter über dem Grund des
Wehntals am Nordhang der Lägern. Im Sommer 1962 wurde
die Anlage ausgegraben und konserviert: Zum Vorschein kam
der Grundriss
eines 12,5 x 11,9 Meter grossen, teilweise unterkellerten
Gebäudes
mit bis zu 1,3 Meter dicken Mauern aus lokal gebrochenem
Kalkstein. Ausserdem wurden Reste von Türgewänden
und Spitzbogenfenstern aus Sandstein, Fragmente von Glas-
und Keramikwaren, Ofenkacheln
und wenige Metallfunde wie Werkzeuge und Nägel geborgen.
Die Archäologen deuteten den Bau damals als Burg der
Herren von Sünikon.
Bereits in den 1980er-Jahren wurden erste Zweifel
an dieser Interpretation geäussert, und neuere Untersuchungen kommen
zum Schluss, das es sich beim Gebäude kaum um eine Burg
gehandelt haben kann. Aus dem Fundmaterial kann kein einziges
Stück eindeutig in die Zeit vor 1400 datiert werden, auch
wenn diese Zeitstellung bei einigen Fragmenten von Töpfen
sowie Glas- und Tierknochenfunden nicht ganz auszuschliessen
ist. Eindeutig bewohnt war die Anlage hingegen von der Zeit
um 1500 bis ins frühe 17. Jhdt..
Diese Erkenntnisse machen es sehr wahrscheinlich,
dass es sich um die Ruine einer Taverne handelt,
für die es an dieser
Stelle mehrere Zeugnisse gibt. Nahe dem Pilgerweg fliesst der
Pflasterbach zu Tal, der seinen Namen wohl dem sehr kalkhaltigen
Wasser verdankt, das auffällige Versteinerungen bildet
und im Mittelalter als heilkräftig galt. Neben dem Bach
entstand um 1501 eine der Jungfrau Maria geweihte Kapelle,
genannt die «nuwen kappel Unser lieben Frowen im Pflasterbach».
Nicht weniger als 16 Kardinäle setzten 1503 einen Ablassbrief
auf, mit welchem sie diese zur offiziellen Wallfahrtsstätte
erhoben. Die Oberaufsicht über den Ort oblag jeweils einem
Mitglied des Zürcher Rates. Dieser beklagte sich bereits
1520 über den Priester und den Tavernenwirt vom Pflasterbach.
Ersterer sei faul, Letzterer stehle Ziegel und Steine von der
Kapelle und verlage zuviel für den Messwein.
Nach der Zürcher Reformation wurde der Wallfahrtsort 1525
offiziell aufgehoben, seine Güter dem Zürcher Almosenamt übergeben.
Es scheinen jedoch weiterhin Pilger an den Pflasterbach gekommen
zu sein. Nachdem 1540 ein grosser Teil des Städtchens
Regensberg einem Brand zum Opfer gefallen war, riss man einige
Gebäude im Pflasterbach ab, um die Steine für den
Wiederaufbau zu verwenden. Das Gasthaus selbst wurde aber erst
nach 1600 endgültig verlassen, den zeitgenössischen
Beschreibungen zufolge hat man es 1630 «uff Regensperg
versetzt». Der Standort der alten Taverne geriet in den
nachfolgenden Jahrhunderten in Vergessenheit, bis man ihn 1961
neu entdeckte. Ausserdem stiess man 1997 bei Leitungsbauten
westlich der Ruine auf weitere Mauerreste, welche zur Umfriedung
der ehemaligen Wallfahrtskappelle gehört haben dürften.
Die Frage, wo die Herren von Sünikon ihren Wohnsitz hatten,
bleibt damit unbeantwortet. Es gibt allerdings auch Argumente,
die dafür sprechen, dass der Steinbau in den Pflasterwiesen
urprünglich eben doch ein mittelaterlicher Wehrbau war.
Ein Grund ist die massive Mauerstärke. Ein weiterer die
Landkarte von Jos Murer aus dem Jahr 1566, auf der die Ruine
der Burg «Sunickon» neben der Kapelle am Pflasterbach
eingezeichnet ist. Möglicherweise befand sich der Wohnsitz
der Ministerialenfamilie aber auch unten im Tal, an einer unbekannten
Stelle im Weiler Sünikon.
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