Die
Burg Wartenstein wurde um 1206 im Auftrag von Konrad von
Zwiefalten, dem Abt des Reichsklosters Pfäfers, errichtet.
Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1208,
als Kaiser Otto IV. die Schirmvogtei über die Klostergüter
an Ritter Heinrich von Sax verpfändete.
Dessen Sohn Albert war kurzzeitig Herr über das «castrum
Wartenstain»,
machte sich bei den Mönchen aber durch allerlei Repressalien äusserst
unbeliebt. Unter anderem soll er den Abt auf der Burg sieben
Wochen lang gefangen gehalten haben. Bereits 1210 wurde die
Vogtei an Heinrich von Falkenstein verpfändet. Der Wechsel
der Schirmvögte und deren Begehrlichkeiten sorgten jedoch
weiterhin für Konflikte, wobei die Kontrolle über
die so nahe vor den Klostermauern gelegene Burg entscheidend
war. 1257 gelang es allerdings Abt Rudolf III. von Bernang,
alle Vogteirechte für 300 Mark Silber von den damaligen
Inhabern, dem Reich und der Familie von Sax, zurückzukaufen.
Als neue Klostervögte wurden 1261 die Herren von Wildenberg
eingesetzt, die damals die benachbarte Burg Freudenberg bei
Bad Ragaz bewohnten. Die Burg Wartenstein blieb nun aber im
Besitz der Abtei.
Wie gross die Burg im 13. Jhdt. bereits war, lässt sich
nicht mit Sicherheit sagen. Zu den ältesten Teilen gehört
der mächtige Wohnturm der Kernburg. Als zentraler Bau
der Anlage besass er rund 2 Meter dicke Grundmauern, war ursprünglich über
einen Hocheingang zugänglich und ab dem 2. Stockwerk wohnlich
eingerichtet. Am erhaltenen Gemäuer lassen sich neben
Fensternischen noch Spuren eines Rauchabzugs erkennen. Wohl
in einer zweiten Bauphase wurden nördlich des Turms Wohn-
und Ökonomiebauten errichtet, die um 1400 einem Burghof
mit Wehrmauer und einer Zisterne weichen mussten. Damals wurde
auch der ebenerdige Zugang zum Turm ausgebrochen. Sehr geräumig
wirkt die jüngere Unterburg, in welcher noch die Ruinen
von mindestens fünf verschiedenen Gebäuden erkennbar
sind. Darunter befand sich neben einem Wohntrakt auch eine
Schmiede.
Im 14. Jhdt. traten die Grafen von Werdenberg-Heiligenberg
die Nachfolge der Wildenberger als Klostervögte an. Deren
nahe Verwandte, die Grafen von Werdenberg-Sargans, gelobten
dem Abt damals, Wartenstein nicht zu schädigen oder an
sich zu bringen. Der Pfäferser Abt Hermann II. von Arbon
liess die Burg 1341 instandstellen und in der Festung eine
Kapelle errichten. Deren Standort konnte bis heute allerdings
nicht sicher lokalisiert werden. Im 15. Jhdt. diente Wartenstein
den Äbten gar als Residenz.
1482 kam Sargans unter die Kontrolle der Eidgenossen, und zur
Herrschaft gehörte auch die Schirmvogtei über Pfäfers.
Im Schwaben- bzw. Schweizerkrieg von 1499 belegten diese kurzerhand
die grosse Höhenburg und versahen sie mit Kriegsmaterial.
Nach dem Ende des Konflikts wurde Wartenstein 1504 wieder dem
Kloster übergeben und unter Abt Wilhelm von Fulach erneuert
und mit Waffen ausgestattet. 1531, mitten in der Reformationszeit,
liess der damalige Landvogt Aegidius Tschudi die Burg angesichts
eines drohenden Klostersturms aber wieder besetzen.
Ab der Mitte des 16. Jhdts. scheint die Anlage vernachlässigt
worden zu sein, denn bereits um 1570 wird die Burg als baufällig
beschrieben. Die Abtei Pfäfers gab sie 1586 endgültig
auf und erlaubte den Anwohnern, die grosse Ruine als Steinbruch
auszubeuten. Und als 1665 das Kloster Pfäfers bei einem
Brand grösstenteils zerstört wurde, nahm man für
den 1672 erfolgten Wiederaufbau ebenfalls viel Material von
der nahen Burg.
Die ehemalige Reichsabtei wurde 1838 aufgelöst, Wartenstein
ging in Staatsbesitz über und wurde in der Folge dem Direktor
der Kuranstalten in Bad Ragaz verpachtet. Dem fortschreitenden
Zerfall wurde erst 1951 mit Sicherungsarbeiten Einhalt geboten.
Um 1975 wurde die Kernburg, 1991 schliesslich die ganze Anlage
saniert. |